Wo Sarazen Signet

 

 

 

Geb. am 8. August 1923 in Hof/Saale.

Die ersten 4 Lebensjahre verbrachte ich in Edlendorf, das nahe der Stadt Helmbrechts in lieblicher Landschaft eingebettet ist. Das Haus in dem wir wohnten, stand in der Dorfmitte und hatte einen geheimnisvollen Ruf bei den Bauern.

Einmal spielte ich ohne Aufsicht auf der Straße, als zwei wildgewordene Pferde samt Fuhrwerk in rasendem Tempo über mich hinweg galoppierten. Ich blieb unverletzt und die Leute im Dorf sprachen von einem Wunder.

Kurz danach zogen meine Eltern nach Bayreuth. Ich hatte eine fürsorgliche Mutter, die leider sehr früh starb. In der dritten Klasse schrieb ich in ein Zeugnisheft, die schlechten Noten störten mich nicht: „Das Leben ist nur ein Traum“. Mein Vater und der Lehrer hatten kein Verständnis für diesen Satz.

Einige Jahre später verliebte ich mich in ein Mädchen, das mit einem kleinen Wanderzirkus nach Bayreuth kam. Sie war Kunstreiterin und ritt wie der Teufel auf ihren Pferden. Von ihrem Vater lernte ich die Kunst, mit Benzin Flammen in die Luft zu blasen. Ich hatte vor, mit dem Zirkus durchzubrennen.

Aber das Schicksal wollte es anders. Der Zirkus brach über Nacht seine Zelte ab und verschwand aus meinem Leben. Mein Kummer war grenzenlos. Ich begriff schon damals, dass die Liebe uns Menschen bisweilen eine Narrenkappe aufsetzt. Sechzig Jahre später habe ich ein großformatiges Bild zu diesem Thema gemalt.

Aber jede Wunde heilt einmal.

1944 Einsatz in Afrika – El Alamain – 90 km vor Kairo.
An zwei prägende Ereignisse erinnere ich mich noch heute. Auf dem Marsch zur vordersten Stellung schleppten wir uns mit schwerer Ausrüstung durch ein flaches Tal, das von beiden Seiten von hohen Sanddünen begrenzt wurde. Plötzlich und wie aus heiterem Himmel sagte ich laut und mit veränderter Stimme zu meinen Kameraden:
„Hier war ich schon einmal, hinter der nächsten Biegung liegt ein großer Gesteinsbrocken.“ Meine Kameraden lachten und einer sagte: „Du spinnst ja“. Nach etwa 10 Minuten hatten wir die Biegung erreicht und vor uns lag ein riesengroßer Felsbrocken.

Die Leute fragen mich: Warum habe ich Wo Sarazen als Pseudonym gewählt?
Nach jenen Sarazenen, die vor über tausend Jahren in diesem Land lebten. Das Leben jedes Menschen ist von Geheimnissen umwoben.

Nach dem Krieg war ich Hausierer, Gärtner, Geschäftsführer in einem lausigen Varieté etc. etc. etc.

1949 bekam ich einen Dichterpreis. Die Fränkische Presse titelte: „Ein Dichter wurde in Tod und Not“.

Der große Wunsch meines Vaters war, dass ich Polizist werden sollte. Ich unterzog mich einer Eignungsprüfung in Ansbach. Das Schicksal meinte es wieder gut mit mir, denn ich wurde als vollkommen ungeeignet abgelehnt.

So wurde ich eben Buchhändler, gründete einen Verlag und brachte 1951 den ersten Bayreuther Bildband heraus.

1964 eröffnete ich ein Antiquitätengeschäft. Der Laden lief gut, aber mit den Bayreuthern hatte ich so meine Probleme. Im Geschäft pflegte ich mich über mittags in eine große gotische Eichentruhe zu legen, der Deckel war mit einem Holzklotz justiert. Als ich wieder einmal in der Truhe lag, ging die Ladenglocke und eine Dame betrat den Laden. Ich öffnete den Deckel, stand auf, breitete die Arme aus und rief mit dröhnender Stimme: „Wer stört die Ruhe des großen Pharao“. Mit einem Schreckensschrei verließ die Dame den Laden. Ich vermute, dass sie mich nicht weiter empfohlen hat.

1976 eröffnete ich mit meinen zweiten Frau und unter ihrem Mädchennamen das Kunstauktionshaus Waltraud Boltz, das mit seinen Spezialauktionen weltweit bekannt ist.

Ich selbst verfasste einige Bücher und malte Außerirdische und Engel.

Wir veranstalten Konzerte, Vernissagen. Erwähnt sei noch, dass ich 2006 den Kulturpreis der Stadt Bayreuth, den ich annahm, nicht aber das Preisgeld von 2.500 Euro.

Zu sagen wäre noch, dass ich Bayreuth zwar liebe und mir nicht vorstellen kann, in einer anderen Stadt zu leben. Ich habe es aber aufgegeben, daran zu glauben, dass ich jemals in Bayreuth je Erfolg haben könnte. Und so warte ich wiederum auf ein Wunder, das irgendwo in der weiten Welt auf mich wartet.
      

Werner Baumann                                           Wo Sarazen

"Es gibt keine Außerirdischen. Ich bin ein Außerirdischer."